Erinnern und Verschweigen

So wie in den letzten Jahren besuchten die Schülerinnen und Schüler des Jahrgangs 11 am 27.01.2025 die Gedenkstätte und das Dokumentationszentrum im ehemaligen Konzentrationslager in Bergen-Belsen, um an die Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern und ihre Geschichten nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Die Schülerin Alisa Leajla Batlak hat dazu einen kreativen Beitrag erschaffen, den wir an dieser Stelle veröffentlichen dürfen und das auch sehr gerne tun.

Schatten der Erinnerung
Ein künstlerischer Beitrag zum Gedenken an das ehemalige
KZ Bergen-Belsen


Das Bild „Schatten der Erinnerung“ fängt den Moment ein, in dem
Schmerz und Liebe untrennbar miteinander verschmelzen. Ein KZ-Insasse liegt erschöpft im Schoß einer Frau – sein Körper mager, sein Blick
leer, als hätte das Lager nicht nur seine Kraft, sondern auch sein existenzielles Sein aus ihm herausgerissen. Doch etwas an seiner Kleidung verrät,
dass er einmal jemand war. Unter den angedeuteten Streifen, dem Sträflingsstigma des Lagers, ist noch immer die Spur eines formellen Hemdes
zu erkennen, mit einer Fliege; ein letztes Echo eines Lebens, das er einst
führte. Es ist, als würde die Vergangenheit noch durchschimmern, als
würde die Erinnerung an Würde und Identität sich nicht ganz auslöschen
lassen. … Doch nun sind es nur noch Schatten auf Stoff, so wie er nur noch
ein Schatten dessen ist, was er einmal war … in Bergen-Belsen.

Die Frau, heller als die Dunkelheit um sie herum, hält ihn. Ihre Träne zieht
eine stille Spur über ihr Gesicht – nicht nur aus Trauer, sondern aus dem
Wissen, dass sie ihn nicht länger im Hier und Jetzt halten kann. Sie könnte
seine Frau sein, die letzte Verbindung zu einem Leben, das unwiederbringlich verloren ist. Oder eine Mutter, die ihr Kind ein letztes Mal umarmt, bevor es ihr durch die Schatten entrissen wird. Vielleicht ist sie auch
nur ein Geist, eine Erinnerung an das Leben davor, an eine Welt, die es
einmal gab, bevor Menschlichkeit zu Asche wurde … in Bergen-Belsen.


Das Dunkel, das sie umgibt, ist kein leerer Raum, es ist die Asche jener, die
bereits in den Flammen des Hasses verbrannten. Es ist das Vergessen, das
alle zu verschlingen droht. Doch innerhalb dieser Asche leuchtet noch
eine Spur von Menschlichkeit auf, in der Umarmung, in der Träne, in dem
Augenblick der zwischen Leben und Auslöschung eingefroren ist. Dieser
Moment bleibt, während alles andere zu Staub wird, der Staub des Vergessens und der Verzweiflung. … Doch auch im Staub bleibt die Erinnerung an jene, die sich in ihrer Menschlichkeit nicht völlig verflüchtigen …in Bergen-Belsen.

Die Asche mag die Welt um sie herum bedecken, doch in diesem Augenblick, in dieser Umarmung, gibt es noch Leben, noch einen Hauch von
Hoffnung, noch ein Flimmern von dem, was einst war … in Bergen-Belsen.


Die Zeit hält diesen Moment nicht fest, zurück bleibt nur die Asche, ein
Schatten der Erinnerung, welcher bald verweht.

Die Frau, die den Mann in ihren Armen hält, wird selbst zu einem Teil
dieses flimmernden Lichts; ein zerbrechliches Symbol für das Überleben,
das nicht nur in der physischen Existenz, sondern in den Gefühlen, in der
Erinnerung und in der Liebe weiterlebt.


Der Mann mag nicht mehr der sein, der er einmal war, doch in diesem
Moment, in dieser Verbindung, bleibt ein Hauch von ihm erhalten. Der
Körper mag erschöpft und gebrochen sein, der Blick leer, aber die Erinnerung an das Leben, das er führte, lebt in der Liebe, die ihm in diesem Augenblick noch zuteil wird.

Vielleicht ist das die letzte Form von Widerstand, nicht gegen die Grausamkeit der Welt, sondern gegen das Vergessen, gegen die Entmenschlichung, die die Flammen des Hasses zu hinterlassen suchten. In diesem
Moment der Zärtlichkeit und des Schmerzes liegt eine unzerstörbare
Wahrheit:


Der Mensch ist mehr als das, was ihm zu erleidet aufgezwungen wurde
in Bergen-Belsen.

Denn auch in der tiefsten Dunkelheit, in der größten Verzweiflung bleibt
ein Funken Menschlichkeit, der nicht vollkommen ausgelöscht werden
kann. Dieser Augenblick mag flüchtig sein, die Dunkelheit der Schatten
um sie herum mag sich wieder schließen, doch in der Tiefe dieses Bildes
bleibt er bestehen; ein letzter, unerschütterlicher Beweis für das, was der
Mensch trotz allem bewahren kann: die Liebe, die Erinnerung und das
unzerstörbare Streben nach Würde … in Bergen-Belsen und überall auf
der Welt!


Künstlerin und Autorin Alisa Leajla Batlak, vom 27.01.2025.

Wir bedanken uns bei Alisa und Herrn Große, dass wir diesen wichtigen Beitrag gegen das Vergessen hier veröffentlichen dürfen.